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05.05.2009

Lesezeit: etwa 5 Minuten

Wenn Linke sich gegenseitig Nazi nennen

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Die Jenaer Studentenzeitung „Unique“ ist unter den Studierenden in Jena nicht erst seit dem Interview mit dem Jenaer FN-Aktivisten „Emil G.“ bekannt. Dass der Bekanntheitsgrad allerdings mit dem Artikel „Wir sind zugleich rechts und links“ weit über die Ränder der Kernberge geklettert ist, dürfte dem beharrlichen Leser unserer Seiten ebenfalls nicht entgangen sein und deshalb verwundert es umso mehr, dass die Redakteure nach all der Pogromstimmung sich wieder an ein „kritisches Interview“ gewagt haben und dieses in ihrer neuesten Ausgabe auch veröffentlichten. Der Interviewpartner diesmal ist der palästinensische Journalist Khalid Amayreh. Unter der Überschrift „Widerstand ist eine moralische Verpflichtung!“ erfährt der Studierende, der Studierte, der Arbeiter und Bauer erst einmal über die Intension eines solchen Artikels und kann dort folgende Zeilen lesen:

„In unserer Nahostserie wollen wir unbefangen Opfer und Täter zu Wort kommen lassen; sowohl Menschen, die vom Konflikt beeinflusst wurden als auch jene, die ihn beeinflusst haben; Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Motivationen für die Region interessieren und Menschen, die jegliche Hoffnung längst verloren haben.“

Beim Blick auf den kurzen Lebenslauf* von Amayreh wird deutlich, dass dieser als Opfer des Nahost-Konfliktes interviewt wurde und schon allein diese Tatsache garantierte genug Zündstoff. Zündstoff der dafür sorgte, dass unsere Freunde der Strg+C&Strg+V-Antifa sogleich damit begannen, die Redaktion mit einem Woody Allen Zitat („Ich bevorzuge Baseballschläger“) zu bedrohen und dazu aufriefen, alle aktuellen „Unique“-Ausgaben gegen ein alkoholfreies Getränk mit verhältnismäßig hohen Koffeinanteil einzutauschen. Warum man für 20 „Unique“-Ausgaben ein Kaltgetränk bekommt und für 50 hingegen nur zwei, dass wird wohl ewig das Geheimnis unserer Gauß-Hasser im Schillergäßchen 5 bleiben. Der Aktion schloss sich im treuen Kadavergehorsam die JG-Stadtmitte an, wobei hier wahrscheinlich alkoholfreie Getränke Mangelware sind. Dass Ergebnis der „Saufen für alle und zwar umsonst“-Aktion sind 650 „konfiszierte“ „Unique“-Ausgaben mit der Nr.47 und eine kurze Diskussion in den Räumlichkeiten der JG-Stadtmitte, wo sich sowohl JG-Mitglieder (politisch links stehend) als auch Redakteure der „Unique“ (ebenfalls politisch links stehend) den Vorwurf gefallen lassen mussten, sie seien Nazis. Wir hoffen, dass dieser Diskurs videodokumentarisch festgehalten wurde und der Nachwelt zur Verfügung gestellt wird.

Doch nicht nur weniger aktuelle Ausgaben sind die Folge des palästinafreundlichen und israelkritischen Interviews, sondern zwischenzeitlich wurde bekannt, dass der Studierendenrat der FSU Jena alle finanziellen Zuwendungen rückwirkend gekürzt hat. Dass dies auf Betreiben des neugegründeten Referats gegen Rechtsextremismus geschehen ist, darf hier nicht verwundern sondern stellt einmal mehr die Neutralität des StuRas unter Beweis.
Übrigens gibt es auch einen lachenden Dritten bei dem ganzen Spektakel und das dürfte die Burschenschaft Normannia sein. Diese wird, ebenso wie Israel, mit einem „kritischen“ Artikel bedacht, welchen aber aufgrund der fehlenden Ausgaben nur noch wenige Studierende, Studierte, Arbeiter und Bauern lesen können.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass die „Unique“ ihren Durchhaltewillen beibehält, denn bei einem Blick in die aktuelle Ausgabe der anderen Jenaer Studentenzeitung, dem „Akrützel“, wird einmal mehr deutlich, wie braun der Hals der dortigen Redakteure schon ist. Neben der üblichen schlechten Recherche, wobei schlecht noch geschmeichelt ist, wird die Einseitigkeit der beiden Schmierfinken (Journalisten wäre in dem Fall eine Beleidigung für einen ganzen Berufsstand) mehr als deutlich. Dass Thema ist natürlich tagesaktuell die Auseinandersetzung zwischen „Rechten und Linken“ und wir möchten in diesem Zusammenhang nicht verschweigen, dass die „Akrützel“-Redaktion auch an uns herangetreten ist und uns die Möglichkeit für ein Interview anbot. Mit Sätzen wie „Sehr von Vorteil wäre es natürlich, wenn auch die Opfer vom Ostermontag zu Wort kommen könnten, vielleicht telefonisch?“ zeigte Matthias Benkenstein, dass er offensichtlich genau weiß, wer Opfer und wer Täter ist, leider geht das aus seinem Artikel, welchen er zusammen mit der Podiumshetzern Louisa Reichstetter verfasst hat überhaupt nicht hervor und deshalb fühlen wir uns in unserer Meinung bestärkt, dass wir das Interview trotz liebevoll gemeinter Sätze wie „Hier sitzt also keine Antifa oder so mit im Boot.“ abgelehnt haben. Abgelehnt mit der Begründung, dass das „Akrützel“ in der Vergangenheit und insbesondere dieses Jahr eine sehr einseitige Berichterstattung betrieben hat und wie uns der neuerliche Artikel beweist, auch weiterhin betreiben will.
Wir rufen im Übrigen bewusst nicht dazu auf, die „Akrützel“-Blättchen gegen Getränke einzutauschen, denn der Meinungsfaschismus gepaart mit Wunschdenken ist so offensichtlich, dass das ruhig jeder Student lesen sollte. Allerdings sollte er sich dabei gleich nochmal überlegen, wie langweilig und einseitig das Studentenleben ohne die „Unique“ werden könnte.

*Khalid Amayreh wurde 1957 in Hebron geboren. Weil israelische Truppen seine Familie 1948 enteignet und ihre Wohnhäuser abgerissen hatten, lebte er mit ihr – wie viele andere Familien – jahrelang in Zelten und Höhlen in den Hügeln südlich von Hebron. Mit 14 arbeitete er in Israel als Bauarbeiter und lernte dort Hebräisch. Nachdem er 1974 während einer Demonstration gegen die israelische Besatzung von Soldaten fast totgeschlagen worden wäre, emigrierte er zwei Jahre später in die USA, studierte dort Journalismus und kehrte 1983 nach Palästina zurück. Dort begann er seine journalistische Karriere. Als Korrespondent und freischaffender Journalist arbeitete er u.a. für die staatliche iranische Nachrichtenagentur „IRNA“, die Kairoer Wochenzeitung „Al-Ahram“, die „Palestinian Times“ und „Al-Jazeera“ und schreibt heute für das Hamas-nahe „Palestinian Information Center“. Aufgrund seiner offenen Kritik an der israelischen Besatzungspolitik und der Politik der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) steht er seit den Anfangsjahren seiner Karriere unter Beobachtung des israelischen Geheimdienstes, wurde mehrmals inhaftiert und stand jahrelang unter Hausarrest. Aufsehen erregte zuletzt seine Verhaftung im Januar 2009, nachdem er der PA in einem Fernsehinterview vorgeworfen hatte, Demonstrationen in der Westbank aus Verpflichtung gegenüber Israel zu verbieten und die PA als „Dienerin Israels“ bezeichnet hatte. Erst nach massiven medialen Protesten wurde er wieder freigelassen. Amayreh lebt heute mit seiner Frau und seinen Kindern in Dura und schreibt an seinem vierten Buch „Leben unter der israelischen Besatzung“.

Quelle: Unique Online

Autor: http://www.n-w-j.de

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